Das moderne 3D-Kino hat nicht mehr viel mit den alten rot-grün-Brillen geimsam. Auf Grund der Abhängigkeit von Frabfiltern (rot/grün) war die Bildqualität damals meist miserabel.
Mit den modernen Shutter-Brillen ist das komplett anders. Aber wie funktioniert das eigentlich?
Damit ein Bild mit Tiefeninformation (also in 3D) wahrgenommen werden kann, müssen jeweils unterschiedliche Bilder auf das rechte und das linke Auge treffen. In der Realität nehmen wir unsere Umgebung mit dem rechten Auge auch jeweils aus einer leicht anderen Perspektive wahr als mit dem linken Auge. Das ergiebt sich aus dem Augenabstand. Und genau dieser Effekt muss für die dreidimensionale Wahrnehmung im Kino nachgebildet werden.
Dazu muss das Filmmaterial natürlich zuerst einmal in zwei leicht verschiedenen Versionen vorliegen: einmal für das rechte Auge und noch einmal für das linke Auge – wieder jeweils aus leicht unterschiedlichen Perspektiven.
Im Kino werden die Bilder für die beiden Augen dann alternierend auf die Leinwand projeziert. Also immer ein Bild für das rechte Auge, dann ein Bild für das linke Auge, dann wieder ein Bild für das rechte Auge, und so weiter.
Dies geschieht mit einer Frequenz von 144 Bildern pro Sekunde. In jeder Sekunde werden also 72 Bilder für das rechte Auge und 72 Bilder für das linke Auge auf die Leinwand geworfen.
Sieht man sich einen solchen Film ohne Brille an, erscheint alles verschwommen, da sich während dem Film im Prinzip 144 mal pro Sekunde die Perspektive leicht verschiebt.
Und hier kommt die Shutter-Brille ins Spiel. Sie hat dafür zu sorgen, dass das rechte Auge jeweils nur sieht, was für das rechte Auge bestimmt ist. Und umgekehrt darf das linke Auge natürlich nur sehen, was für das linke Auge bestimmt ist.
Wie funktioniert das?
Die Gläser einer Shutter-Brille sind eigentlich nichts anderes als Flüssigkristall-Bildschirme (LCD-Displays), die dazu dienen von durchsichtig auf undurchsichtig und von undurchsichtig wieder auf durchsichtig umzuschalten. Jedes der beiden Gläser macht das genau 72 mal in der Sekunde. Dieser Vorgang wird per Infrarot mit dem Film-Projektor synchronisiert, damit das rechte Auge genau dann abgedeckt wird, wenn das Bild für das linke Auge auf der Leinwand erscheint. Und das linke Auge wird natürlich genau dann abgedeckt, wenn das Bild für das rechte Auge auf der Leinwand erscheint.
Auf diese Weise bekommt das rechte Auge immer ein in der Perspektive leicht verschobenes Bild zum linken Auge zu sehen – genau wie beim natürlichen Sehen. In unseren Köpfen wird das Ganze so zu einem dreidimensionalen Bild (resp. Film).
Da hier, wie erwähnt, keine Farbfilter zum Einsatz kommen, kann das Filmmaterial in gewohnter Farbenpracht und Schärfe daherkommen und unterscheidet sich in diesem Punkt nicht von der Qualität eines herkömmlichen 2D-Films. Und genau dieser Umstand begründet wohl den Erfolg des modernen 3D-Kinos: ein 3D-Erlebnis ohne Kompromisse.
Schlagworte: 3D, Brille, Kino, Shutter-Brille
